Architektur

Architektur zu fotografieren, ist nicht die ganz große Leidenschaft. Nichtsdestotrotz finde ich das Spiel mit den senkrechten Linien und der Verfremdung von Bekannten Gefallen. Den Charakter udn damit gleichsam die Essenz eines Gebäude oder Bauwerks einzufangen und dem Betrachter meine Sichtweise zu offenbaren, hat einen gewissen Charme.


Aufnahmetechnik

Blaue Stunde in Nürnberg
Komposition mit Diagonalen und einer Senkrechten

Motiv weit weg = große Schärfentiefe

Dadurch bekommen Sie bei Landschaftsaufnahmen oder Architekturaufnahmen so ziemlich alles scharf.

Im diesem Bild benötige ich eine große Schärfentiefe über den kompletten Bereich. Schließlich sollen Vorder-, Mittel- und Hintergrund scharf abgebildet werden! Folglich wählte ich eine große Blenzahl (=kleine Blendenöffnung).

Stürzende Linien

Es gilt: Je weiter der Winkel, desto anfälliger für stürzende Linien.

Stürzende Linien bedeuten, dass sich Gebäude nach oben oder nach unter verjüngen. Meist ist das nicht gewollt und passiert aus Unkenntnis oder mangelnder Erfahrung. Natürlich können Sie später die Linien in der Bildbearbeitung wieder begradigen. Aber das bedeutet Aufwand und verschlechtert die Bildqualität.

Daber ist es doch so einfach die stürzenden Linien zu vermeiden. Woher kommen die Linien eigentlich? Und warum fallen die gerade in der Architekturfotografie zu auf? Die Linien sind eine Verzerrung der natürlichen Perspektive. Der Fluchtpunkt wandert nach oben oder nach unten - ja nachdem, ob Sie die Kamera nach oben oder nach unten halten. Und damit beeinflusst der Fluchtpunkt die senkrechten Linien. Nur wenn Sie die Kamera gerade halten, befindet Sicht der Fluchtpunkt hinter dem Objekt und beeinflusst die senkrechten Linien nicht.

Weitwinkelobjektive sind dafür besonders anfällig, weil sie eben viel einfangen. Dummerweise halten Sie die Kamera, wenn Sie ein Gebäude fotografieren auch noch nach oben um auch das Dach auf die Platte zu bannen. Und voila - stürzende Linien ohne Ende. Also ist die Abhilfe einfach: die Kamera absolut waagrecht halten. Damit bekommen Sie genausoviel Straße wie Gebäude aufs Bild. Die Strasse können Sie später wegschneiden und schon haben wir eine tolle Aufnahme mit absolut geraden Linien. Dadurch verschenken sie viel Bildinhalt. Aber was solls, die Kameras haben heute genug Auflösung.

Stürzende Linien sind aber auch ein Mittel, um Fotos besonders spannend zu machen - wenn Sie die bewusst einsetzen. habe ich im Foto unten bewusst eingesetzt, um den die Illusion zu verstärken, dass die Rohre in den Himmel reichen.

Tipp:
Stürzende Linien vermeiden

Fotografieren Sie ein Gebäude mit gerade gehaltener Kamera. Das Gebäude rutscht in die obere Bildhälfte. Die untere Häflfe können Sie bei der Nachbearbeitung weg schneiden. Sie verlieren ein halbes Bild, haben aber gerade Linien!

Gerade bei der Architekturfootografie ist das Spiel mit den stürzenden Linien sehr reizvoll, um z. B. ein Gebäude noch höher erscheinen zu lassen. Die leichte tonnenförmige Biegung der Gundlinie habe ich nicht korrigiert, weil sie die stürzenden Linien wie ein Schale auffängt.

Hotelfassade
Stürzende Linien

Ausrüstung und Kameraeinstellungen - mein persönliches Setup

Die Bauwerke sind oft groß und der Aufnahmeabstand manchmal begrenzt, z. B. durch ein anderes Gebäude. Mein Ultra Weitwinkel NIKKOR 12-24 mm / 4 ist deshalb immer dabei und leistet mir gute Dienste (s.u.)

Ich fotografiere fast immer mit Zeitautomatik, d. h. ich wähle die Blende und mache mich zum Herr über die Schärfentiefe und die Kamera wählt die Blende. Dabei ist eher ein große Tiefenschärfe angesagt, weil Sie ja das komplette Gebäude scharf abbilden möchten.

Mehr aufs Bild mit einem Witwinkel/Ultraweitwinkel

Weitwinkel-/Ultraweitwinkelobjektiv 12-24 mm
Quelle: www.nikon.de

Wenn Viiiiiel aufs Bild drauf soll, dann muss es ein Weitwinkel sind. Doch Vorsicht, ein Weitwinkel ist etwas für Kenner, denn erstens ist ein Bild nicht schön, auf dem zu viel drauf ist und zweitens wird die Verzerrung bei 12 mm schon extrem. Und so musste irgendwann ein Ultra-Weitwinkel her. Es wurde das Ultraweitwinkel (= noch weitwinliger) NIKKOR 12-24 mm / 4. Ich habe mir das Glas relativ spät gekauft und bin völlig glücklich mit dem Teil.

Aber aufgepasst: das Glas ist extrem anfällig für stürzende Linie. Schon ein leichte Aufwärts- oder Abwärtsneigung quittiert das Utraweitwinken mit lotrechten Linien, die ganz und gar nicht mehr lotrecht sind, sonder auseinander-oder zusammenlaufen. Bewusst eingesetzt ein tolles Stilmittel, um die Dramatik zu erhöhen. Meist ist aber eher fehlendes fotografisches Können der Grund und weniger die bewusste Bildgestaltung.