Available Light, Nachtfotografie

Fotografieren im Grenzbereich des sichtbaren Lichts. Tolle Aufnahmen sogar bei absoluter Dunkelheit. Belichtungszeit von mehreren Minuten lehrten mich, über ein Foto genau nachzudenken, bevor ich den Auslöser drücke. Entschleunigung und Konzentration aufs Wesentlich - wie zu Zeiten der Analogfotografie. UND ich liebe es!

Natürliches Licht - eine andere tolle Möglichkeit. Künstliches Licht, ist für mich irgendwie totes Licht. Deshalb arbeite ich nicht gerne im Studio. Künstliches Licht zur Verstärkung des natürlichen, oder um Akzente zu setzen, das ist für mich die einzige Daseinsberichtigung für das Licht "aus der Dose". ei Weichheit eines Morgen- oder Abendlichtes, die unbarmherzige Härte des Lichts zur Mittagszeit, die diffuse Beleuchtung an trüben oder nebeligen Tagen. Das inspiriert mich. Natürlich ist das für einen Profi nicht akzeptabel. Er hat einen Auftrag, den er erfüllen muss - egal ob das Licht passt oder nicht. Ich als Amateur habe die Freiheit, das Licht nach meinem Gusto zu nutzen, oder auch nicht.

Belichtungszeit berechnen

Fotografieren bei Dunkelheit - wie kann ich da eigentlich die Belichtungszeit bestimmen? Das geht ganz einfach:

  1. Manuellen Belichtungsmodus einstellen. Denn der Belichtungsmesser der Kamera versagt hier.
  2. ISO maximal einstellen und
  3. Blende maximal öffnen, dadurch sollten wir nun in der Lage sein, die richtige Belichtungszeit zu bestimmen.
  4. Belichten, Ergebnis auf dem Kameradisplay ansehen und Belichtungszeit ggf. anpassen.
  5. Schritt 4 wiederholen, bis die Belichtung stimmt.

Was haben wir jetzt? Eine optimal belichtet Aufnahme mit schlechter Auflösung und geringster Schärfentiefe. Was nun? Jetzt kommt Kopfrechnen.

  1. Schreiben Sie oder merken Sie sich die Belichtungszeit.
  2. Jetzt halbieren Sie die ISO so lange, bis Sie auf der niedrigsten Stufe und damit der höchsten Auflösung angekommen sind. Gleichzeitig bei jedem ISO-halbieren, die Belichtungszeit verdoppeln.
  3. Jetzt schließen Sie die blende Stufe für Stufe und erhöhen die Schärfentiefe. Gleichzeitig mit jeder Blendenstufe, die Belichtungszeit verdoppeln.
  4. Die Kamera auf Bull einstellen und belichten.

Beispiel

Nachtfotografie in Regensburg
Flüchtige Gedanken

Bulb bedeutet, dass das erste Drücken des Auslösers den Verschluss öffnet und das zweite Drücken den Verschluss wieder schließt.

Sie haben ISO 6400 und die Blende 1.8 eingestellt und haben als Belichtungszeit 1/2 s bestimmt.

Ihre Kamera kann als geringste Auflösung ISO 100. Sie wollen mit Blende 5.6 fotografieren, um einen großen Bereich scharf abzubilden. Jetzt geht es los. Also erst ISO verringern:

ISO 6400 - Zeit 1/2 s
ISO 3200 - Zeit 1 s
ISO 1600 - Zeit 2 s
ISO 800 - Zeit 4 s
ISO 400 - Zeit 8 s
ISO 200 - Zeit 16 s
ISO 100 - Zeit  32 s

Nun kommt die Blende: also wir starten mit Blende 1.8, die Zeit beträgt nach der ISO-Transformation 32 s

Blende 2.0 - Zeit 64 s, näherungsweise 1 min
Blende 2.8 - Zeit 2 min
Blende 3.5 - Zeit 4 min
Blende 4.0  - Zeit 8 min
Blende 5.6  - Zeit 16 min

Also Blende auf, Stoppuhr Marsch und nach 16 min Verschluss schließen.

Soweit so gut, aber das war es noch nicht alles. Wenn Ihre Kamera eine Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung anbietet, schalten Sie die ein. Damit belichtet die Kamera die komplette Belichtungszeit nochmal bei geschlossenem Verschluss nach und kann somit einiges an Rauschen herausrechnen. D. h. in unserem Fall braucht die Kamera nochmal 16 min.

Damit sind wir nun in Summe bei einer guten halben Stunde für ein Foto angekommen. Nun verstehen Sie, warum es Sinn macht, dass Sie sich VORHER ein paar Gedanken über das Foto machen, wenn Sie sich nicht die ganze Nacht für eine handvoll Fotos um die Ohren schlagen möchten.

Ausrüstung - mein persönliches Setup

Das ist nun ganz einfach. Sie brauchen für Nachtaufnahmen kaum Spezialausrüstung. Nur eine Stoppuhr, weil die Belichtungszeiten länger sind, als die Kamera selbst kontrollieren kann und ein gutes Stativ. Für Aufnahmen unter schlechten Lichtbedingungen, aber eben noch mit Restlicht benötigen Sie ein Objektiv mit hoher Lichtstärke. 1.4 wäre optimal, 1.8 auch noch akzeptabel.

Nicht vergessen, bei hoher Lichtstärke = offener Blende wird der Bereich, den die Kamera scharf abbildet sehr klein!